Ein treibendes Blatt Papier aus Stahl, Styropor, Holz und Fassadenputz

Manuel Pestalozzi
11. April 2022
Das neue Bühnenbild im Bregenzer Hafen wurde aus 117 Einzelteilen zusammengefügt. (Foto © Bregenzer Festspiele, Karl Forster)

 

Am 6. April fand in Bregenz das Richtfest für »Madame Butterfly« statt – das neue Bühnenbild der Seebühne von Michael Levine. Bereits jetzt hat es eine imposante Präsenz und wirkt sehr architektonisch. Manche mag es an skulpturale Einfälle von Frank O. Gehry erinnern. Als Nächstes sollen Bemalung, Kaschur, Scheinwerfer und Lautsprecher folgen. Bereit sein muss das Ganze im Hochsommer: Die Bregenzer Festspiele 2022 finden vom 20. Juli bis zum 21. August statt.

 

Das neue Bühnenbild stellt ein riesiges Blatt Papier dar. Es ist begehbar. Bühne und Bühnenbild verschmelzen bei dieser Gestaltung zu einem Objekt. (Foto © Bregenzer Festspiele, Dietmar Mathis)

Das neue Bühnenbild bildet die Kulisse für die Aufführung der Geschichte der Geisha Cio-Cio-San, genannt Butterfly. Es stellt ein gigantisches Blatt Papier als »Spiegel der Seele« dar. Für das Publikum auf den Rängen soll es aussehen, als würde das Blatt auf dem Bodensee treiben. Es misst rund 23 Meter in der Höhe und etwa 33 Meter in der Breite. Die Gesamtfläche beträgt 1340 Quadratmeter. Baubeginn für das 300 Tonnen wiegende und dennoch schwerelos wirkende Objekt aus Stahl, Styropor, Holz und Fassadenputz war im Herbst 2021. Es wurde aus 117 Bauteilen zusammengesetzt, die in einer eigens angemieteten Montagehalle in der Vorarlberger Gemeinde Lauterach angefertigt wurden.

 

Auf der Rückseite wird die Konstruktion sichtbar. (Foto © Bregenzer Festspiele, Dietmar Mathis)

Der Kanadier Michael Levine hat als Bühnenbildner schon an diversen großen Häusern in Europa und Nordamerika gearbeitet, darunter das Theatre Passe Muraille, die Lyric Opera of Chicago, die Wiener Staatsoper oder das Teatro alla Scala in Mailand. Seine Bühnenbilder werden als Resultat eines kollaborativen Prozesses betrachtet, an dem sich Regisseur*innen, Choreograf*innen und die Darsteller*innen beteiligen. Bei Opern wird der Chor oft in sie einbezogen, gelegentlich nutzt Levine auch reelle Objekte. Bei der Aufführung der Oper »Der fliegender Holländer« verwendete er zum Beispiel ein Schiff.

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