Vorzeigeprojekt in Senegal?

Manuel Pestalozzi
1. Dezember 2021
Die Tragstruktur ist vor der Gebäudehülle angeordnet. Sie wurde mit parametrischen Werkzeugen gestaltet. (Visualisierung: Baar-Baarenfels Architekten) 

Wie soll man in heißen Gegenden bauen? Baar-Baarenfels Architekten zeigen im Rahmen einer Schau in Miami ein Hochhausprojekt für Dakar. Die Wiener setzen auf Glasfassaden und Hightech. Eine gute Idee?

Ende vorigen Monats wurde in Miami die Ausstellung »Time Space Existence« eröffnet. Zu sehen ist auch ein Entwurf von Baar-Baarenfels Architekten. Das Wiener Büro zeigt ein Hochhaus, das in Dakar entstehen soll – auf der Halbinsel mit der Altstadt der senegalesischen Kapitale. Vorab ist wenig zu erfahren über das Projekt – wie es sich in die Stadtlandschaft rundherum eingliedert und wo genau die Parzelle liegt, bleibt bei den Darstellungen beispielsweise zunächst unklar. 

Lieber werden der Umgang mit dem tropischen Klima und die Formensprache in den Vordergrund gerückt. Das Entwurfsteam hat die Tragstruktur vor der Verglasung angeordnet. Trotz des extremen Glasanteils sei überall eine gute Beschattung garantiert, so die Architekten. »Das Gebäude ist plastisch geformt, wodurch die Gitterstruktur unterschiedliche Maschenweiten hat, die erst über parametrisches Design machbar werden«, sagt Johannes Baar-Baarenfels selbst zu der Konstruktion. Über der repräsentativen Eingangshalle erstreckt sich ein Luftraum über nicht weniger als sieben Geschosse. Dort sollen »hängende Gärten« angelegt werden. Man könnte die Formensprache des Entwurfs allerdings auch als aus der Zeit gefallen beschreiben. Auf den ersten Blick erschließen sich die konzeptionellen Überlegungen hinter den extravaganten Kurven nicht. Und ob die Architektursprache des Projekts hilfreich ist, um Vorurteile gegen parametrische Werkzeuge abzubauen, sei dahingestellt.

Auf dem Hochhaus thront ein Penthouse mit Pools, Palmen und schwungvoller Dachkonstruktion. (Visualisierung: Baar-Baarenfels Architekten)
Die richtige Grundhaltung?

Die unteren Etagen des Hochhauses sollen Büros aufnehmen, in den Geschossen darüber werden sich Wohnungen befinden. Zuoberst schließlich soll ein Penthouse entstehen – mit einem geschwungenen »Flugdach« als Weiterführung der Gitterstruktur vor der Glasfassade. Dort soll es verschiedene Pools geben, um die herum Palmen wachsen. Man merkt der luxuriösen Architektur an, dass sie aus Europa kommt. Sie bringt hier gängige Ideen nach Afrika: Die massiven Beschattungselemente zum Beispiel sollen mit Solarkollektoren ausgestattet werden. Sie werden dereinst dazu dienen, Klimakaltwasser über Absorptionskältemaschinen zu erzeugen. Bei der Kühlung des Gebäudes soll zudem eine Bauteilaktivierung in den Betondecken helfen. 

Was bleibt, denkt man über das konkrete Projekt hinaus, ist die Frage, wie sinnvoll die angewandte Technologie für Afrika generell ist. Bietet traditionelle afrikanische Architektur, die mit regionalen Materialien und Lowtech-Lösungen arbeitet, nicht mehr Potenzial – auch für den Klimaschutz? Und könnte Europa in Zeiten der Erderwärmung nicht gar von afrikanischen Bauweisen und Ansätzen profitieren?

Die Eingangshalle geht über in einen hohen Luftraum, der bepflanzt werden soll. (Visualisierung © Baar-Baarenfels Architekten)

Die guten Freunde Iwan Baan und Francis Kéré waren gemeinsam in Burkina Faso unterwegs und haben sich mit traditioneller afrikanischer Architektur auseinandergesetzt.

Das Team des Zürcher Büros JOM ist überzeugt, dass parametrische Werkzeuge helfen können, die Herausforderungen unserer Zeit zu meistern.

Verwandte Artikel

Vorgestelltes Projekt

Architekturbüro Lechner & Lechner

Jugendgästehaus Gerlos

Andere Artikel in dieser Kategorie