Wiener Team gestaltet die Sunken City um

Manuel Pestalozzi
5. May 2022
Der Leuchtturm an der Neuen Donau soll das Wahrzeichen der Wiener Waterfront bleiben. (Visualisierung © Mostlikely Architecture & Common Space Team)

 

Wiens etwas über 21 Kilometer lange und bis zu 250 Meter breite Donauinsel entstand durch Aufschüttungen in den Jahren 1972 bis 1988. Eigentlich dient sie dem Hochwasserschutz. Denn mit ihr wurde ein Gerinne parallel zur Donau geschaffen, das bei Hochwasser geflutet werden kann. Dadurch lassen sich Überschwemmungen in angrenzenden Bereichen Wiens verhindern. 

Daneben ist die Insel vor allem ein beliebtes Naherholungsgebiet. Der Abschnitt Sunken City nördlich der Reichsbrücke besteht aus einer Gruppe von Lokalen mit internationaler Gastronomie, schwimmenden Bars, Lounges und Beach Clubs. Das markanteste Erkennungszeichen der Anlage ist ein Leuchtturm mit einer spiralförmig aufsteigenden Außentreppe. Man nennt ihn auch »Holländer Leuchtturm«, denn er war in den Saisons 1989 und 1990 während der Bregenzer Festspiele Teil des Szenenbildes für Aufführungen der Oper »Der fliegende Holländer«. Nach der Demontage wurde er vom Bodensee an die Donau gebracht, wo er im Jahr 1997 am Ostufer der Insel neu aufgebaut wurde. 

Da die rund 40 Jahre alte Infrastruktur der Sunken City heute aufgrund der intensiven Nutzung ziemlich mitgenommen ist, muss in die Substanz groß investiert werden. Die Stadt Wien ließ deshalb einen internationalen Wettbewerb zur Neugestaltung der Zone ausloben, mit dem Ziel, die Anlage attraktiver zu machen. Der Planungsperimeter erstreckte sich von der Reichsbrücke bis zum ersten Badesteg und umfasst auch die ehemaligen Inselcafés. Ausgeklammert bleibt der angesprochene Leuchtturm.

 

Promenade statt Pizza: weniger Gastronomie, weniger Konsum, weniger Liegeflächen

Die Wettbewerbsjury sprach dem Wiener Büro Mostlikely Architecture den ersten Preis zu. Von dessen Projekt verspricht sie sich atmosphärisch sehr unterschiedliche Erlebnis- und Aufenthaltsbereiche. Das Konzept beinhaltet Bereiche zum Sport treiben, aber auch Zonen zum Arbeiten, Austauschen und Vernetzen sowie eine Kultur- und Badelandschaft. 

Die kostenlosen Angebote sollen zur individuellen Aneignung und spontanen Nutzung ermutigen. Die Gestalter*innen möchten, dass die bisherigen horizontalen Stützwände durch konsumfreie Grünflächen und eine neue Wegführung entlang des Ufers ersetzt werden. Der Zugang zum Wasser soll optimiert werden, und die Uferzone wird durch Rampen barrierefrei erreichbar sein. Auch neue Landschaftselemente wie Schilfbuchten sind Teil des Konzeptes. Die neuen Erschließungswege sollen Konflikte zwischen Radfahrer*innen und Fußgänger*innen verhindern.

Das Siegerteam ist zwischenzeitlich mit der Erstellung eines Masterplanes beauftragt worden, wobei das Preisgericht empfohlen hat, mit einem weiteren Wettbewerbsteilnehmer, dem Büro NL Architekts aus Amsterdam, für ausgewählte Bereiche wie die Uferzonen zusammenzuarbeiten. Bis zum Herbst dieses Jahres soll diese Arbeit soweit gediehen sein, dass eine Erarbeitung wasserrechtlicher Einreichprojekte und eine wahrscheinlich erforderliche Anpassung der Widmung möglich sind. Die Umsetzung soll dann in Etappen erfolgen, sodass die sommerliche Nutzung so wenig wie möglich durch die Bauarbeiten beeinträchtigt wird. Der Baustart ist für den übernächsten Herbst geplant. Wie die neue Anlage nach der Fertigstellung heißen wird, steht indes noch nicht fest.

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