Campus und Stadt

Ulf Meyer
10. März 2022
Der Bau der Wirtschaftsuniversität in Wien von Zaha Hadid. Der Campus besteht aus Gebäuden zahlreicher renommierter Architekt*innen. (Foto © BIG, Bruno Klomfar)

 

Bei der Gestaltung neuer Hochschulanlagen orientierte sich Europa in den 1960er- und 1970er-Jahren oft stark an den Vereinigten Staaten. Zuweilen weit vom Stadtzentrum entfernt, wurden Universitätsgelände im Grünen bewusst als Gegenpol zu älteren Anlagen in der Stadt gebaut. Heute wirken solche Komplexe leider vielfach öde. Ihnen fehlen Urbanität und Leben. In der Stadt hingegen mangelt es Universitäten oft an Freiraum und Grün. Als neuer Bautypus entstand schließlich die sogenannte »Universität als urbaner Campus«. Dabei werden, so definiert es hierzulande die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), Hochschulstandorte mit öffentlichen Freiräumen verknüpft, um eine »Interaktion mit der Nachbarschaft« zu erreichen.

 

Das Future Art Lab der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien (Foto © BIG, Hertha Hurnaus)
Bau der Universität für Bodenkultur in Wien (Foto © BIG, Hannes Buchinger)

Eine Ausstellung bei Aedes in Berlin zeigt demnächst neun Um- und Neubauprojekte der BIG. Die Beispiele aus Wien, Graz und Linz sollen belegen, dass Campus und Stadt nicht getrennt, sondern miteinander verwoben sein sollten. Präsentiert werden ab dem 19. März dieses Jahres Pläne, Fotos und Videos sowie eine Collage aus Modellen aller Projekte. Ziel der BIG ist es, durch Neubauten und Sanierungen Hochschulkomplexe zu schaffen, die »vielfältig und stimulierend« sind. Universitätsarchitektur soll mit ihrem Umfeld interagieren und künftige Veränderungen antizipieren. 

Für die Universität für angewandte Kunst in der Innenstadt von Wien beispielsweise wurden Freiräume mit den Gebäuden verflochten: »Innenhof, Atrium, Straße und Platz bilden ein Raumgeflecht«, so die Verantwortlichen der BIG stolz. Auch der Campus der Johannes-Kepler-Universität in Linz wurde mit Erweiterungsbauten besser in sein Umfeld eingebunden. 

 

Die Unibibliothek in Graz (Foto © BIG, David Schreyer)

Die von dem Architekten Peter Riepl kuratierte Ausstellung trägt den vielleicht zunächst etwas putzigen Titel »Good Vibrations«. An zwei der gezeigten Bauten war er selbst als Gestalter beteiligt: dem Campus der Johannes-Kepler-Universität in Linz und jenem der Universität für angewandte Kunst in Wien. Die Entwürfe sind in aller Regel aus Architekturwettbewerben hervorgegangen und stammen von international bekannten Architekt*innen. Die Hörsaal- und Institutsgebäude auf dem Campus der Wirtschaftsuniversität Wien etwa wurden von Zaha Hadid, Hitoshi Abe, NO.MAD Arquitectos, BUSarchitektur, CRAB Studio und Estudio Carme Pinós gestaltet. 

Das Programm der Ausstellung und ihr Thema scheinen interessant. Ein Besuch in der deutschen Hauptstadt dürfte sich lohnen.

 

Die Ausstellung bei Aedes in Berlin (Christinenstraße 18 und 19) läuft vom 19. März bis zum 5. Mai 2022. Die Vernissage findet 18. März um 18.30 Uhr statt. 
 
Die Öffnungszeiten sind dienstags bis freitags von 11 bis 18.30 Uhr, sonntags und montags von 13 bis 17 Uhr sowie am Samstag, dem 19. März, ebenfalls von 13 bis 17 Uhr.

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